Stadtquartiere im Informationszeitalter-Erfolgsfaktoren von Projekten Holger FLOETING

Dipl.-Geogr Floeting
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Die Informations-und Kommunikationstechnologien und die Kommunikations-und Medienwirtschaft sind seit Beginn der 1980er-Jahre als Thema der Stadtentwicklung entdeckt worden. Im In-und Ausland sind eine Reihe städtebaulicher Projekte realisiert worden, die gezielt die Möglichkeiten neuer Informations-und Kommunikationstechniken einbeziehen oder die einen "kommunikations-und medienwirtschaftlichen Kern" haben. Entstanden sind Großprojekte wie Mediaparks oder Medienmeilen ebenso wie kleinere
more » ... wie kleinere spezialisierte Standorte, neue Stadtquartiere ebenso wie weiterentwickelte traditionelle Medienstandorte. Das Deutsche Institut für Urbanistik, die Forschungs-und Beratungseinrichtung der deutschen Städte, hat im Rahmen eines Forschungsprojekts 1 die konzeptionellen Ansätze, Akteursstrukturen und Umsetzungsstrategien solcher Projekte vergleichend betrachtet (Floeting 2004). Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die Erfolgsfaktoren derartiger Projekte. ERFOLGSFAKTOREN Erfolgreiche Projekte -d.h. Projekte, die den Strukturwandel in den Städten und Regionen unterstützen, zur Entwicklung der Informationsgesellschaft auf lokaler und regionaler Ebene beitragen, sich konkrete Ziele gesetzt haben und diese weitgehend erreicht haben -benötigen spezifische Konstellationen und Rahmenbedingungen für ihre Entwicklung. Unterschiedliche Projekte haben spezifische Erfolgskonstellationen, d.h. die Bedeutung einzelner Faktoren für die erfolgreiche Umsetzung der Projekte ist unterschiedlich groß. 2.1 Urbanität des Standorts Standorte der Kommunikations-und Medienwirtschaft sind traditionell eher urbane Räume, die vor allem von den kreativen Bereichen der Branchen bevorzugt werden. Die neuen IuK-Unternehmen der New-Media-Szene siedeln sich auch vorzugsweise in urbanen Räumen an. Urbanität wird dabei häufig sehr kleinräumig verstanden, sodass schon Standorte des Innenstadtrands -erst recht Stadtrand-und Umlandlagen -von diesen Unternehmen weniger nachgefragt werden. Für Bürostandorte -um die es sich im Kern bei den meisten der Standorte kreativer Unternehmen der Kommunikations-und Medienwirtschaft handelt -sind dabei auch eher "ungewöhnliche" städtische Räume wie alte Industriegebiete, Lagerhausstandorte, "Amüsierviertel" interessant. Selbst Hauptsitze großer Kommunikations-und Medienwirtschaftsunternehmen "schrecken" vor solchen Standorten nicht zurück, sondern suchen im Gegenteil die dort vermutete kreative Atmosphäre. Die ungewöhnliche Adresse gehört mit zur jungen kreativen Corporate Identity. So hat ein Unternehmen wie AOL Deutschland -die deutsche Gesellschaft des weltweit größten Internet-Providers -seinen Hauptsitz am Ende der Hamburger Reeperbahn. Boston Consulting -eines der weltweit führenden Beratungsunternehmen -hat seinen Berliner Sitz in einem Altbauquartier am Hackeschen Markt. Mit den kleinräumigen urbanen Standorten werden Vorteile für face-to-face-Kontakte zu Kunden oder anderen Unternehmen verbunden. Die kleinräumige Mischung von Büroflächen, Restaurants, Einzelhandel, Dienstleistern, Unterhaltungsangeboten und Wohnungen unterstützt den Lebensstil junger urbaner Kreativer, die diese Dienstleistungsangebote in großem Umfang in Anspruch nehmen. Die Vermischung von Arbeitszeit und Freizeit in diesem Arbeits-und Lebensmilieu wird durch die schnelle -möglichst 24stündige -Verfügbarkeit der Angebote unterstützt. Die urbanen Standorte entwickeln deutlich andere Zeitstrukturen als übliche Büro-, Produktionsstandorte oder Wohngebiete (vgl. Eberling/Henckel 2002, 167). Diese Entwicklung stellt eine Renaissance typisch europäischer Stadtstrukturen mit spezifischen urbanen Qualitäten dar. Prägnante Beispiele der Untersuchung für städtische Strukturen, deren Erfolg wesentlich von der urbanen Qualität des Standorts bestimmt wird, sind Stadtquartiere wie der Bereich rund um den Hackeschen Markt im Berliner Stadtbezirk Mitte (Spandauer Vorstadt), die Hanauer Landstraße in Frankfurt am Main und der Hamburger Stadtteil Ottensen. Diese Standorte haben sich weitgehend unabhängig von planerischen Eingriffen entwickelt. Eine Reihe von Stadtentwicklungsprojekten versucht diese urbanen Qualitäten mit mehr oder minder großem Erfolg durch die Herstellung bestimmter Nutzungsmischungen "künstlich" zu erzeugen. Beispiele für solche Entwicklungen sind der MediaPark in Köln oder der Medienhafen in Düsseldorf. Auch die im Rahmen des dortmund-projects geplanten stadträumlichen Entwicklungen sehen solche Mischnutzungsprojekte vor. 2.2 Projektgröße Die Größe eines Stadtentwicklungsprojekts stellt einerseits eine beschreibende Größe dar, andererseits beeinflusst die Projektgröße auch den Erfolg des Projekts. Dies gilt für einen großen Teil der untersuchten Stadtentwicklungsprojekte. Die Projektgröße reicht bei den betrachteten einzelnen Stadtentwicklungsprojekten von Einzelhäusern bis zu Entwicklungsflächen von 350 ha Größe. Das Maß der Aufmerksamkeit, das den unterschiedlichen Projekten von der Öffentlichkeit entgegengebracht wird, hängt natürlich auch von der Größe des Projekts in Relation zu anderen Stadtentwicklungsprojekten in der betreffenden Stadt ab. Großprojekte sind in stärkerem Maße in der Lage eine eigene Entwicklungsdynamik zu erzeugen als einzelne kleine Standorte. Beispiele für solche Großprojekte sind etwa der MediaPark in Köln, der Medienhafen in Düsseldorf, die mediacity in Leipzig, traditionelle Medienstandorte wie die MediaCity in Berlin Adlershof, die Medienstadt in Potsdam-Babelsberg oder das Mediengelände "Unter 1 Das Forschungsprojekt wurde durch die Städte Hamburg, Leipzig, München und Wiesbaden unterstützt.
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