Beitrag zur Ätiologie und Pathologie der Osteochondritis deformans coxae juvenilis

M. Hackenbroch
1922 Archiv für Orthopädische und Unfall-Chirurgie  
Trotz der groBen Beliebtheit, deren sich die Pert.hessche Krankheit der giifte und verwandte Zustf.nde in der medizinisehen Literatur des Tages unzweife|haft erfreuen, ist eine befriedigende Klarstelhmg in vielen wiehtigen Punkten (:A~tiologie und Pathologie) noeh nicht erreicht. ~'[ehr oder minder einle,mhtende Theorien beherrsehen das ]Peld, selbst die BerechtigmN, das Leiden als Krankheitsbild sui generis anzuerkennen, ist nicht unbezweifelt. Dem entsprieht (lie Verwirrung, die in punkto
more » ... nldatm" herrseht. Aul]er der im Titel angcfiihrt en ]~ezeichm rag, ffir die Pc r t h e s eintrit t. werden genannt : Coxa plana (Calot). Coxa vara eapitalis (Levy), Malum eoxae infantile (Kreuter). Osteoarthriti~ deformans ~,~veniiis (Fr~ngenheim, Bargellini), Osteoehon'ch'op'.,thia parosteogenetiea. (Zaijer). Also eilt getreues SpiegelbiM der Ansehammgen fiber ~tiotogie und Pathologic. Bekannt ist, dab dazu die F~-age der Prioritf, t noch in let.zter Zeit heftig diskutiert worden ist (WMden-str6m. Perthes, Sundt. Wideroe). Vielleieht dient es, die eine oder andere der strittigen Fragen kliiren zu helfen, wenn im folgenden ein Berieht gegeben wird iiber eine Anzahl Ff, lle des problematisehen Leidens, die in den letzten Jahren an mlserer Klinik zur Beobachtm]g kamen, und yon denen ntanehe fiber einige J'ahre hin verfolgt werden konnten. Um Wiederhohmgen zu vermeiden, ~qrd nieht beabsiehtigt, in eine Sehilderung des Krankheitsbildes einzutreten. Das ist in der neuen Literatur so oft und griindlieh gesehehen, dab es als bekannt vorausgesetzt werden kann. Zulet.zt haben Wagner und 3Iiiller an ,lieser Stelle noeh darfiber zusammmnfassend beriehtet. Im tibrigen sei hier auf die zum Teil sehr ausfiihrlichen Arbeiten yon Perthes, Schwarz, Amst4~d. Bargellini, Zaijer verwiesen. Die Kra~kengeschiehten folgen auszugsweise ganz kurz zum Schlul~. .~i. Hackenbrooh: Der hohen Kosten halher konnten nur R6ntgenpausen einzelner der tcilweise sehr eigenartigen Bilder gehraeht werden. gon Interesse war zml~tchst, an unseren Fit.lien einige l~berlegungen Jibe( die Atiologie anzustellen. Eine seharfe Tremmng yon der Pathogenese wird sich dabei nieht durehfiihren lassen. 8oweit wie nOtig, wird auf (lie Literatnr dahei eingegangen. Die urspriingliehe Ansieht W al d e n s t r 6 m s yon dem tuberkl,16sen oheren Kollumherd is( beka.nntlich allgemein, a.uch yon ihrem Urheber mffgegeben. Ihr Aufkommen lag ja nahe, und so ist aueh heute die Ansieht verbreitet, dal~ die friiheren benignen "tuberkulSsen " Koxitidcn eben 1,'iille yon Per t h e sseher Erkrankmlg ~c*ewese.n~ sind. In engem Zusammexd~ang damit steht (lie Frage naeh dent Ausfall der Pirquetsehen ttautreaktion, um die sieh besonders Brandes bemiihte. Die Reaktion fiel bei seinen Fgdlen durehweg negativ aus. Wit hahen sic bei der Mehrzahl unserer Fglle angestellt und fanden unter 9 Fgllen 5real negativen Ausfall. In einem Falle (12) war die geaktion sehr stark. Der Fall intere.~siert (lurch ztas gleiehzeitige Vorhandensein einer tuberkulSsen Driisenerkrankung. Der R6ntgenbefund is( nicht, sehr charakteristiseh, um so eindeutiger aber der klinisehe. Es handel( sieh offenbar um eine beginnende osteochon~h'itische Affekt.ion de( Hiifte. (Eine Naehuntersuchung war leider n ieht mSglich,) Vielleieht steht die Erkrankung de( Hiifte doeh in einem Zusammenhang mit de( Tuberkulose, da es a priori nieht wahrseheinlich ist. da_g die tuberkul6sen Toxine gerade das Hiift.gelenk unbeeinflul3t lassen sollten. Einen gdmlichen Fall mit Tuberkulose verbunden denmnstrierte auch Fro m me auf dem Chirurgenkongreft 1921. Es fiihrt dieser Gedanke auf die bakterioto,vische, mykotische Entstehungstheorie des Lei-lens, auf die spiiter noch hither eingegangen werden sell. Im allgemeinen kann man sieh bei Betrachtung unserer _Piille des Eindrueks nieht erwehren, daft de( Ausfall der P i rqu e t schen Rea ktion, wenn negativ, wohl diagnostiseh verwertbar ist, dab abe( der positive Ausfall nicht, gegen eine Osteochondritis spricht. Der oben angefiihrte Fall beweist, wenn man schon die bakteriotoxische Atiologie nieht anerkennen will, zum mindesten doch, (lafl bekle Erkrankungen zusammen vorkommen, (lab ein TuberkulSser an einer Osteochondritis der Hiifte erkranken kann. Eine grofte Gruppe der Autorelt rechnet die Affektion unter die grol3e Reihe derjenigen, die auf raehitisehen Prozessen beruhen. Energiseher Vertreter dieser Ansicht ist vet allem Fromme. Aueh Wagner spricht naeh Frangenhei m yon einer osteomalazischen :Raehitis, (tie dem Leiden zugrunde liige. In unseren F~tllen waren mehrmals Zeiehen yon Rachitis vorhanden, zweimal in Gestalt yon Sehenkelhalsverbiegungen (Coxa vara), in den meisten ~F~llen fehlten sie abe(, und das mag, wenn man (lie im iibrigen so grebe Verbroitung de( Raehitis gerade in den Bev61kerungssehiehten, denen unser 5[aterial entstammt, in Betraeht zieht, doeh immerhin auffallend erseheinen und zun~iehst nieht fiir die Rachitistheorie stimmen. Nun kommt aber hinzu, dab es Fro m me gehmgen is(, isoliert.e, auf eine Stelle des Skeletts lokalisierte Krankheitsvor-gSnge rachitischer Art. nachzuweisen. Und das macht den Gedanken, es beim Morbus Perthes mit einem osteomalaziseh-raehitisehen Erweiehungsprozel3 zu tun zu haben, schon annehmbarer. Die Frommesche Auffassung ist denn auch yon einer Reihe von Bearbeitern akzeptiert we(den. Notgedrungen muBte
doi:10.1007/bf02597971 fatcat:mg66x4toizgwjg22hisjhqjcsa