Urchristliche Missionswege nach Rom: Haushalte paganer Herrschaft als jüdisch-christliche Keimzellen

Peter Lampe
2001 Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche  
In den 40 er Jahren des ersten Jahrhunderts fasste in Rom das Christentum zuerst in einer oder mehreren Synagogen Fuß. Die christliche Botschaft entfachte Unruhe unter den stadtrömischen Juden, bis Claudius die herausragenden Köpfe dieser inneijüdischen Ausein andersetzung der Stadt verwies.1 Bislang ungelöst ist, auf welchen Wegen das Christentum die römischen Synagogen erreichte. Durch das Zusammensetzen von Mosaiksteinen verschiedenster Quellen deutet sich ein Lösungsmodell an. 1.1. Der
more » ... l an. 1.1. Der erste Clemensbrief (63,3; 65,1) nennt einen römischen Christen namens Vale rius Biton, der in den 90 er Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. als alter Mann der römischen Delegation angehörte, die den ersten Clemensbrief nach Korinth überbrachte und der Brief botschaft dort Nachdruck verlieh. Als alter Mann in den 90 er Jahren des 1. Jahrhunderts dürfte Valerius Biton in den 30 er oder 40 er Jahren geboren worden sein. Die Anfänge des Christentums in Rom erlebte er als Kind; von Jugend auf gehörte er zum stadtrömischen Christentum. Sein Name identifiziert ihn als freigelassenen Sklaven der gens Valeria oder als Nachkomme eines solchen Freigelassenen. 1.2. Den zweiten Mosaikstein liefert ein paganes lateinisches Epigraph aus Rom aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. (CIL VI 27948). Die Grabinschrift listet Freigelassene der gens Valeria auf, darunter eine Valeria Maria. »Maria« stellt in diesem Fall deutlich nicht ein Gentilicium, sondern ein Cognomen dar, was in CIL VI nur selten begegnet. Üblicherweise bezeichnet »Maria« -wie »Marius« -in den stadtrömischen lateinischen Inschriften die gens Maria. Nur siebenmal läßt sich das Cognomen »Maria« in CIL VI greifen.2 Das Cogno men jedoch repräsentiert den semitischen Namen, so daß unsere Valeria Maria des 1. Jahrhun derts n. Chr. aller Wahrscheinlichkeit Jüdin oder Judenchristin war. 1 Sueton, Claud. 25,4; Apg 18,2; Orosius, Hist. 7,6,15 f.; vgl. Cassius Dio 60,6,6 f.; dazu z. B. P. Lampe, Die stadtrömischen Christen in den ersten beiden Jahrhunderten. Untersu chungen zur Sozialgeschichte (WUNT 2/18), Tübingen 21989, 4-8. Die Diskussion über das »Claudiusedikt« braucht hier nicht erneut aufgerollt zu werden.
doi:10.1515/zntw.92.1-2.123 fatcat:i5aq77mzxfe2tmz6ssdozlosui