II. Gemäßigte gegen Jakobiner [chapter]

Der Weg in die Terreur  
Am 23. Juni 1791 wurde die Nachricht von dem in Varennes vereitelten Fluchtversuch Ludwigs XVI. in Straßburg bekannt 1 . Ein reitender Kurier, um fünf Uhr morgens von der Verfassungsgesellschaft in Metz abgesandt, erreichte die Hauptstadt des Bas-Rhin in den frühen Stunden des Vormittags und löste in den politischen Institutionen fieberhafte Aktivität aus. Die Stadtverwaltung wurde in die Maison commune berufen. Der Club setzte für den Nachmittag eine außerordentliche Sitzung an. Um drei Uhr
more » ... sammelten sich die Mitglieder; auf den Tribünen drängten sich zahlreiche Zuschauer. Le prisident etant absent, l'ex-president prend le fauteuil, annonce l'enlevement du roi et son arrestation ä Varennes ä 4 lieux de Verdun 2 . Der erste Satz des Clubprotokolls vom 23. Juni 1791 zeigt, daß mit dem Boten aus Metz auch eine erste Deutung der Ereignisse eingetroffen war. Die Mitglieder des Clubs glaubten, der König sei entfuhrt worden 3 . Die wenigen verfügbaren Informationen korrespondierten nur allzu gut mit der Vorstellung, die man sich von einer konterrevolutionären Verschwörung machte. Offenbar gingen die Feinde der Revolution jetzt zum Angriff über. Da man nicht wissen konnte, von wo der Feind angreifen würde, bereitete man sich auf einen Kampf an verschiedenen Fronten vor. Die Streitkräfte sollten in Bereitschaft versetzt, die Bürger bewaffnet, die Grenzkontrollen verschärft und die konterrevolutionäre Propaganda aus Deutschland unterbunden werden. Diese Maßnahmen sollten der Abwehr eines von außen kommenden Feindes, also der Emigrantentruppen oder sogar der Armeen deutscher Fürsten, dienen.
doi:10.1524/9783486832846.93 fatcat:lk2hd3ehhfb6naligwdhnxuzfe