5. Religion und Gewalt: Guatemala [chapter]

2021 Die Taufe des Leviathan  
In Guatemala ist mittlerweile nahezu die Hälfte der Bevölkerung protestantisch. Damit führt das Land die diesbezügliche Statistik in Lateinamerika an. 2 Führend ist das Land auch beim Koeffizienten menschlicher Ungleichheit, der mit 28 über den Ungleichheitsquotienten von Nicaragua (23), Brasilien (23) oder Mexiko (21) liegt und fast doppelt so hoch ist wie der Chiles (15) oder Venezuelas (17). 3 Auch die Homizidrate (27 pro 100.000 Personen) ist hoch im Vergleich zu Mexiko (19) Nicaragua (7) ,
more » ... Peru (7) oder Chile (3) , wenn auch nicht so hoch wie in Brasilien (29) oder gar in dem von Jugendbanden terrorisierten El Salvador (82). 4 Demgegenüber behaupten viele lateinamerikanische Protestanten, nicht nur in Guatemala, dass die Konversion von möglichst vielen Individuen zum »Evangelium« eine Nation heilige und eine Transformation zum Besseren in allen sozialen und politischen Belangen bewirke. Wie, wenn dem nicht so wäre? Es könnte ja umgekehrt vielmehr so sein, dass die historisch extreme Ungleichheit zwischen den sozialen Klassen, gepaart mit Rassismus und einem in der Sozialpolitik sehr schwachen, in Sachen Polizeigewalt aber sehr präsenten und noch dazu korrupten Staatsapparat ein idealer Nährboden für religiösen Wandel ist. Auch könnte es so sein, dass die evangelikalen Versuche, diesen Staat durch »gläubiges« politisches Engagement zu »heilen«, den Staat moribund zurücklassen und vielmehr zur Infektion der frommen Ärzte mit 1 Volksdiktum über den Prosperity-Prediger Cash Luna, Guatemala. »Al pastor nosotros le damos el cash, y él nos tiene en la luna.« 2 Pew 2014 gibt 41 % an; mittlerweile liegt der Wert etwa bei 45 % oder knapp darüber. 3
doi:10.36019/9783839457269-006 fatcat:jwjrcasqkjggdn3buijywa52l4