Zu Leben und Werk von Universitätsprofessor Dr. Johann Hirnsperger

Stephan Haering
2019 Archiv für katholisches Kirchenrecht  
I Die Aufgabe, bei einem Anlass wie dem heutigen öffentlich zu sprechen, bedeutet in aller Regel eine Herausforderung, der man sich am liebsten entziehen möchte. Diese Feststellung ist keineswegs Koketterie, sondern sie beruht auf guten Gründen. Denn worum geht es? Es sollen Leben und Werk eines Kollegen gewürdigt werden, mit dem man nicht nur dasselbe akademische Fach teilt und vielleicht sogar zusammenarbeitet, sondern es geht dabei auch um eine Person, mit der man ja immer auch im fachlichen
more » ... Wettstreit steht. Auf der einen Seite gebieten es der festliche Anlass und die gesamten Umstände der Veranstaltung, den Jubilar in ein möglichst gutes Licht zu rücken. Andererseits muss man jedoch der ganzen Wahrheit die Ehre geben und darf es mit dem Anbringen verbaler Schminke am Geehrten nicht zu sehr übertreiben, so dass er am Ende womöglich gar nicht mehr wiederzuerkennen ist. Unter Umständen erliegt man als Laudator sogar der schlimmen Versuchung, bei dieser Gelegenheit endlich einmal die eine oder andere kleine Bosheit oder persönliche Spitze anzubringen und Dinge zu sagen oder wenigstens anzudeuten, die sonst nie öffentlich zum Ausdruck gebracht werden könnten. Kurz und gut: Mit der Übernahme einer Laudatio begibt man sich in die extreme Gefahr, gegen die Tugend der Wahrhaftigkeit oder gegen die Tugend der Nächstenliebe oder sogar gegen beide in ein-und derselben Aktion zu sündigen. Die Gelegenheit zur Sünde aber sollte man tunlichst meiden. Deshalb ist stets größte Vorsicht und Zurückhaltung geboten, wenn man als Laudator für einen Kollegen eingeladen wird. Am besten wäre es, man würde krank und könnte zu Hause bleiben. Wenn es freilich um Professor Johann Hirnsperger geht, dessen Leben, Werk und Person hier zu würdigen sind, verhalten sich die Dinge gänzlich anders. * Ansprache am 7. Dezember 2016 an der Karl-Franzens-Universität Graz bei der akademischen Feier anlässlich des 65. Geburtstags von o. Univ.-Prof. Mag. Dr. Johann Hirnsperger.
doi:10.30965/2589045x-1850207 fatcat:ncspzqsekbe5vkmkqh7rq4hfbm