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Ein Gespräch über Therapie

L. Krehl
1913 Journal of Neurology  
Die Bewertung der Therapie fiir den Arzt und den klinischen Unterricht ist mehr, als es nach dem Stande der Literatur scheinen mSchte, ein grosser und schwierigerPunkt unserer Sorge. Immer und immer wird uns versichert, dass wir in einer Aera der Therapie leben, dass der"Nihelismus" friiherer Zeiten iiberwunden sel. Es kommt vor, dass die Studierenden darum bitten, in der Klinik therapeutische Probleme besonders zu beriicksichtigen. Nicht wenige Lehrer fiirchten als riickstandig zu gelten, wenn
more » ... dig zu gelten, wenn sie nicht voll in das Horn stossen. Viele haben die ehr 9 Uberzeugung, dass wir es auch in der inneren Medizin weit gebracht haben, dass kaum ein Vergleich sel mit den Zeiten um die Mitre und die zweite Hglfte des vorigen Jahrhunderts. Und nieht nur der Fortschritt in den Leistungen wird gelobt, man glaubt sogar, dass erst die Gegenwart die eigentliche Pflicht des Arztes entdeckt habe, die im Heilen bestehe. "Dass uns aber friiher die Therapie, die Behandlung und Heilung unserer Kranken 'weniger ara Herzen gelegen h~tte, muss ich fiir mich und die (Berliner) Schule, aus der ich stamme, nachdriicklichst in Abrede stellen." Das ist Naunyns Beurteilung friiherer Zeit, die er uns in einem bedeutsamen Aufsatze gibtl). Mein verehrter Lehrer und Freund A. von Strfimpell und ieh werden fiir unsere gemeinsame Heimat Leipzig das gleiche versichern wie Naunyn. Wir sind beide klinisehe Assistenten Ernst Wagners, ich verdanke S t r iim p e 11 die Einfiihrungin die Anfangsgriinde ~rztlicher T~tigkeit: Er stand damals in seiner Jugend wissenschaftlieh, wie mit schien, unter dem Einfluss Julius Cohnheims. Aber der Klinik Fiihren hatte er von seinera Lehrer Wunderlich gelernt. In der Sehilderung der Krankheitsbilder ging er die Wege dieses grossen Meisters kliniseher Beobaehtung. Wenn man dazu rechnet die du 9 einfache Klarheit unseres gemeinsamen Lehrers Wagner und die universelle Auffassung C o h n h e ira s, die auf doe Sehiiler iibergingen, von ihm selbst~ndig verarbeitet wurden und sieh in ihm vereinigten 1) In der deut 87 Revue, Bd. 32, 1907: i4rzte von friiher und heure und ~rztliehe ttumanitgt.
doi:10.1007/bf01878668 fatcat:rfom275eirfyvo2dm3yzqjv2pa