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Bemerkungen zur Lehre von der Endocarditis mit besonderer Berücksichtigung der experimentellen Ergebnisse

Ottomar Rosenbach
1887 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Privatdocent an der Universität Breslau. Die Entwickelung der Lehre von der Ejidocarditis im letzten Decennium giebt ein treues Bild der Umwälzungen, die so viele Capitel der Pathologie und somit unsere diagnostisehen Kriterien durch die immer siegreicher fortschreitende Erkenntniss von der Bedeutung der Mikroorganismen als Krankheitserreger erfahren haben, und es ist nicht uninteressant, den Wechsel der Anschauungen, der mit der Einführung eines einheitlichen ätiologischen Moments und mit der
more » ... oments und mit der Zurückführung der vielgestaltigen morphologischen und klinischen Bilder auf ein e Ursache iiothwendigerweise verknüpft sein muss, gerade auf einem zwar räumlich beschränkten, aber vielfach durchforschten und für den Arzt wichtigen Gebiete zu verfolgen. Eine Darlegung dieser Verituderungen, die wir im Anschlusse an unsere Abhandlung über Endocarditis in der zweiten Auflage der von A. E nie n bu rga) herausgegebenen Realencyclopädie5) hier zu gehen versuchen, ist aber nicht nur deshalb wichtig, weil sie schlagend demonstrirt, wie sich Schwierigkeiten der Systematisirung, die durch die früher gebräuchliche Classificirung nach rein äusserlichen Merkmalen geschaffen wurden, mit einem Schlage durch ein natürliches, der Entstehung der Erscheinungen Rechnung tragendes System lösen, sondern auch darum, weil sie den Antheil der einzelnen Forschungsmethoden an dem Gesammtresultat und die Grenzen ihres Könnens gerade hier am klarsten vor Augen führt. Die Grenzen sind, wie wir zeigen werden, ziemlich eng gezogen, und selbst das Experiment, dessen Bedeutsamkeit für die Lösung der einschlägigen Fragen wir selbst, die wir es auf dieses Gebiet zuerst mit Erfolg angewandt haben, am wenigsten unterschätzen, kann nur mit gewisser Vorsicht und nur zur Beantwortung eines Theils der streitigen Punkte benutzt werden; denn obwohl es die Vorgänge, die bei der Endocarditis des Menschen im Spiele sind, erfolgreich nachzuahmen und nicht nur äusserlich analoge, sondern wirklich identische Processe zu schaffen vermag, so kann es uns über den letzten Grund der Dinge, über die locale Pradisposition doch nur ungenügenden Aufschluss geben und ilberhaupt nur Hypothesen liefern, warum sich in dem einen oder anderen Falle die Mikroorganismen gerade an den Klappen localisiren. Wir treten um so lieber in eine kritische Besprechung gerade dieses Punktes ciii, als wir dadurch die Möglichkeit gewinnen, die Aufmerksamkeit auf unsere Forschungen1) über die experimentelle Entstehung der Endocarditis, die trotz ihrer nicht unwichtigen Resultate sich der Beachtung entzogen haben,**) von Neuem hinzulenken, um den Leser in den Stand zu setzen, den Antheil, den unsere eigenen Experimente und klinischen Beobachtungen an der Aufklärung der Streitpunkte gehabt haben, gegenüber den neuen Untersuchungen, die im Vollbesitz der modernen bacterioskopischen Methoden die von uns bereits gewonnenen sicheren Resultate all-*) Die Literaturangaben siehe am Schluss des Artikels. **) Nur Baumgarten hat in seinem Jahresberichte pro 1886 diese bereits 1878 erschienenen Untersuchungen, welche selbst in dem Jahresberichte von Virchow-Hirech mit Stillschweigen übergangen waren, in durchaus objectiver Weise gewürdigt und ihnen »das Verdienst zugesprochen, die experimentelle Bearbeitung der Endocarditis überhaupt und speciell auch der E. bacterica durch erfolgreiche Versuche eröffnet zu haben." Dreizehnter Jahrgang. Verlag von Georg Thieme, Leipzig-Berlin. zusehr in den Hintergrund zu drängen versuchen, unparteiisch und kritisch abzuschätzen. Bevor wir demnach die hauptsächlichsten Ergebnisse der seit dem Erscheinen unserer Arbeit publicirten Beobachtungen mittheilen , mag es uns gestattet sein, noch einmal kurz die wichtigsten durch uns festgestellten Facta zu resumiren. Wir haben zuerst nachgewiesen, dass sich experimentelle Erscheinungen an den Herzklappeu hervorrufen lassen , die morphologisch eine vollständige Identität mit den Vegetationen der am Menschen beobachteten Endocarditis bieten, und die wir deshalb nach Analogie der durch Verletzungen der Gefässwand entstehenden Niederschläge als wirkliche Thrombosen in Folge der Läsion des Endocards bezeichneten, ohne dass Bacterien die Ursache dieser pathologischen Producte sind; wir haben nachgewiesen, dass sich experinientell das typische Bild der Endocarditis ulcerosa mit allen ihren charakteristischen Begleit-und Folgeerscheinungen, Mikrobienembolieen, Hämorrhagieen der Haut und der Schleimhäute, Netzhautblutungen etc., hervorrufen lässt, wenn man in die lädirten Klappen Mikroorganismen in mikroskopischer Menge einimpft; wir haben die in den einzelnen Organen gesetzten Herderkrankungen genauer untersucht und die Anwesenheit der Mikrobienembolieen festgestellt; ebenso gelang es uns2), in einzelnen Fällen neuter und chronischer benigner verrucöser Endocarditis am Menschen Mikrococcen in den Vegetationen aufzufinden, und auch bei Endocarditis ulcerosa konnten wir durch dell Befund von Mikroorganismen in einzelnen der Hämorrhagieen in Haut und Schleimhäuten den Nachweis ihrer bacteriellen Genese, den wir Anfangs nicht zu erbringen vermochten , liefern , so dass wir für die Mehrzahl der Beobachtungen die Frage, ob Bacterien der Grund für die kleinen Blutungen sind, in einer nachträglicheii Bemerkung zu bejahen vermochten. Endlich versuchten wir, an der Hand klinischer und experimenteller Daten der Endocarditis ulcerosa maligna bacterica ihren Platz in dein System der primären Herzerkrankungen streitig zu machen und sie in das Krankheitsbild der Pyämie einzurangiren, ein Bestreben, welches auch in den Arbeiten späterer Beobachter hervortritt, also Anklang gefunden zu haben scheint. Wir kommen auf diesen Punkt noch weiter unten zu sprechen. Betrachten wir nun die neuesten anatomischen und experimentellen Arbeiten über die Genese der acuten Endocarditis. Wyssokowitsch,4) ein Schüler Orth's fand unter 11 Fällen von Endocarditis benigna am Menschen, unter welchen sich acht ausgeprägte Fälle verrucöser Entzündung befanden, weder mikroskopisch noch bei Clilturversuchen Mikroorganismen in den Vegetationen, während Weichsel-baum5) in einem Falle von morphologisch wohlcharakterisirter Endocarditis verrucosa dieser Nachweis es handelte sich um den Streptococcus pyogenes (J. Rosenbach6) -nach beiden Richtungen glückte, so dass er, wie früher schon Klehs,7) Köster8) und O. Rosenbach1) (Letzterer für einen Theil der acuten, nicht maligneii Endocarditiden), die mycotische Genese der nicht ulcerösen Entzündung des Endocard statuirt. Weichselbaum5) gelang es ferner, in drei Fällen typisch-ulceröser Endocarditis beim Menschen in den an den verschiedensten Stellen des Körpers vorhandenen Herden, sowie im Blut und Unu verschiedene Formen der Mikrobien mikroskopisch und durch Züchtung aufzufinden -er fand den Streptococcus pyogenes und Staphylococcus aureus in einem Falle allein, in einem ein Gemisch beider Mikrococcen -und durch Injection einer Aufschwemmung derselben in die Venen das Bild der ulcerösen Endocarditis zur -Entwickelung zu bringen, aber nur dann, wenn er vorher nach der Methode von O. Rosenbach (Durchstossung der Aortenklappen) Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1197892 fatcat:b32klpwa75atjjrjfqqgfckqra