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Im Reich der Dinge. Das Museum als Erkenntnisort, eine Tagung des Deutschen Hygiene-Museums Dresden in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin. Dresden (6.–8. Mai 2004)

Dominique Moldehn, Kritische Berichte-Zeitschrift Für Kunst- Und Kulturwissenschaften
2013
Die Diskurse tosen um ein stummes Objekt herum« -das schöne Wort von Peter Geimer mag als treffendes Motto für die Tagung »Im Reich der Dinge. Das Museum als Erkenntnisort« dienen, die vom 6. bis 8. Mai 2004 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, stattfand. Anlass der Tagung war die Eröffnung eines Teils der neuen ständigen Ausstellung des Deutschen Hygiene-Museums, einer Sammlung, die selbst die verschiedenartigsten
more » ... schiedenartigsten Objekte aus Kunst, Naturwissenschaften, Sozial-und Kulturgeschichte vereinigt. Die Disparität solcher Sammlungsgegenstände, die Methoden ihrer Bedeutungszuschreibungen und ihrer -entschlüsselungen, ihre Inszenierungen und Purifizierungen fanden in den Tagungsbeiträgen adäquate Behandlung. Welche Eigenschaften also -so könnte die erste Frage nach dem Ding lautenprädestinieren es für einen Transfer aus der Dingwelt ins Museum und rechtfertigen eine Behandlung, die aus dem Ding ein für allemal ein Objekt, ein Sammlungs-und Ausstellunggegenstand werden lässt? Zeichnen den Gegenstand ästhetische Qualitäten aus, ist er von kulturgeschichtlicher oder naturwissenschaftlicher Bedeutungstets kann der Betrachter auf die erkenntnistheoretische Potenz des Gegenstands vertrauen, wie Gottfried Korff (Tübingen) in seinem Vortrag über die Ding-Hermeneutiken des 20. Jahrhunderts erläuterte. In den Dingen schlummere ein Wissenspotential, dass sich durch Aufmerksamkeit und reflexive Wahrnehmung erschließen lasse. Dingen ist -so Korff -eine Ästhetik der Anwesenheit zu eigen, sie sind affektiv erlebbar, durch sie wird man des Authentischen habhaft. Was derzeit als »Konjunktur« der Dinge, als verstärktes Interesse an der Dingwelt (vor allem in der jüngsten Kunstentwicklung) zu beobachten sei, lasse sich durch die zunehmende Medialisierung und Virtualisierung erklären, die auch Verlusterfahrungen mit sich brächten. Im Museum, als Ort und Ordnungssystem von Wissen, werden Ding und Betrachter zusammengeführt. Museifizierung bedeute »Aufheben« in dreifachem Sinn: der ursprüngliche Kontext des Dinges werde nivelliert, der Gegenstand werde aufbewahrt und schließlich in eine neue symbolische und epistemische Ordnung erhöht. Der Appell des Objekts, es zu dechiffrieren, lasse sich im Museum befolgen, da hier den Objekten eigene Räume zugewiesen werden und sie auch miteinander korrespondieren könnten. Dieser von Korff beschriebene ungebrochene Prozess der Erkenntnisgewinnung wurde in Hans-Jörg Rheinbergers Vortrag über Präparate etwas relativiert. Denn Rheinberger (Berlin) gab zu bedenken, dass die Sichtbarkeit des Objekts nicht immer auch Authentizität und abrufbares Wissen garantieren könne. Mitunter müsse ein Gegenstand verschiedene Techniken erdulden, die seine Merkmale erst in Erscheinung brächten. Zu diesen von der Wissenschaft für die Wissenschaft hergestellten Objekten zählen die Präparate. Wie kaum ein anderes Objekt sei das Präparat geeignet, diese Herstellung von Darstellung zu demonstrieren: »Das Paradox des wissenschaftlichen Präparates besteht darin, dass die Arbeit der Zurüstung, die in seine kritische berichte 2/06
doi:10.11588/kb.2005.2.9888 fatcat:aojo4rsk7bfc7ailf4zxqndcl4