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III. Die Geltung des kanonischen Rechts in der evangelischen Kirche Deutschlands von Luther bis zur Gegenwart

Rudolf Schäfer
1915 Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Kanonistische Abteilung  
Die Frage der Geltung des kanonischen Rechtes in der evangelischen Kirche ist in den vier Jahrhunderten ihres Bestehens, zumal in den ersten beiden, lebhaft erörtert worden. Wurde zuerst der Versuch gemacht, diese Geltung, die man ja mit aus der alten Kirche übernommen hatte, ganz zu beseitigen, so beschäftigte man sich, als dieser Versuch mißlang, wieder damit, die Gründe dieses Mißlingens zu ermitteln und auch negativ oder auch positiv festzustellen, in welchem Umfange denn nun das kanonische
more » ... nun das kanonische Recht in der evangelischen Kirche gelten konnte und sollte. Aber auch als seine theoretische und praktische Geltung längst unbestritten war, hat es doch nicht an Stimmen Die nachstehende Arbeit ist aus einer größeren Untersuchung des Verfassers über die Geschichte der Versetzbarkeit der Geistlichen, die sich wie mit den Bestimmungen des kanonischen Rechts über diese Frage, so mit deren Geltung auch in der evangelischen Kirche zu beschäftigen hatte, hervorgewachsen und auf Anregung meines hochverehrten Lehrers, des Herrn Geh. Justizrats Dr. Johannes Niedner in Jena, zu einer selbständigen Untersuchung über die Geltung des kanonischen Rechts in der evangelischen Kirche von Luther bis zur Gegenwart ausgestaltet worden. Auch an dieser Stelle ist es mir ein Herzensbedürfnis, meinem Danke für die vielfache Förderung Ausdruck zu geben, die mein hochverehrter Lehrer auch dieser Arbeit hat angedeihen lassen und für die stete Anteilnahme, mit der er sie begleitet hat. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 6/26/15 2:54 AM In seinem auf der 31. Deutschen Evangelischen Kirchen-Konferenz 1 ) erstatteten Referate 2 ) über die Versetzung der Geistlichen im Interesse des Dienstes 3 ) führte z. B. der Konsistorialpräsident Sievers-Wolfenbüttel aus, daß "die nicht strafweise Versetzung im Verwaltungswege" ein Rechtsinstitut sei, das "einer ausreichenden formellen und materiellen Begründung im kanonischen Rechte entbehre", aber "die neueren Rechtslehrer die unfreiwillige Versetzung des Geistlichen auch in der evangelischen Kirche wohl meist als mit dem kanonischen Rechte im Einklang stehend" ansähen. "Eine Umfrage bei den einzelnen Kirchenregierungen über die Frage der rechtlichen Zulässigkeit der Versetzung des Geistlichen im Interesse des Dienstes" habe ergeben, daß sie als zulässig gelte 4 ) "teils auf Grund besonderer landesrechtlicher Vorschriften, teils indem das kanonische Recht von den Kirchenregierungen für anwendbar erklärt" werde. In einigen Landeskirchen bestünden "Zweifel, ob eine Versetzung 5 ) beim Mangel ausdrücklicher partikularrechtlicher Vorschriften den Bestimmungen des kanonischen Rechts entspreche; für die meisten übrigen Landeskirchen, insbesondere auch für die preußische" 6 ), sei "die Frage verneint". 7 ) In Eisenach vom 6. bis 12. Juni 1912. 2 ) cf. Allgem .Kirchenblatt für d. ev. Deutschi. 1912 S. 390ff., das Referat 1. c. S. 709 ff. 3 ) Über diese Versetzungsart, deren Begriff noch nicht feststeht, wie über "die Versetzbarkeit der Geistlichen" werde ich mich in einer größeren Untersuchung äußern. 4 ) Die 1. c. S. 710 befindliche Aufzählung der Landeskirchen, in denen die Versetzung im Interesse des Dienstes zulässig ist, ist unvollständig. 5 ) Gemeint ist eine Versetzung im Interesse des Dienstes. 6 ) Gibt es "eine" "preußische" Landeskirche? oder "die preußische" Landeskirche ? 7 ) 1. c. S. 710. M. E. mit Unrecht, cf. meine Untersuchung über die Versetzbarkeit der Geistlichen. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 6/26/15 2:54 AM x ) Es kommen hier in Betracht Hannover, Pfalz, Württemberg, Koburg, Reuß-Greiz. Für die näheren Nachweise muß ich auf meine Untersuchung über die Versetzbarkeit der Geistlichen verweisen. 2 ) Seit dem 2. Dezember 1908 gibt es auch einen katholischen Pfarrerverein "Pax, Verein von katholischen Priestern Deutschlands", cf. Archiv f. kath. K.R. 94 (1914) S. 158 ff. 3 ) cf. der Deutsche Pfarrertag zu Dessau vom 8. bis 12. September 1913. Bericht des Vorstandes 1913. 4 ) D. h. mit den bzw. Ausführungen von Sievers. 5 ) Von mir gesperrt. e ) Er hat noch mehr verbrannt. 7 ) Der deutsche Pfarrertag 1. c. Sp. 28. cf. auch S. 242 d. Unters. 8 ) Lehrb. d. kath. u. ev. K.R. 8 (1886) § 83 S. 277. ®) Lehrb. d. kath. u. ev. K.R. 6 (1909) S. 2f. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 6/26/15 2:54 AM ') Da es sich wesentlich um die Geltung des kanonischen Rechts in den deutschen evangelischen Landeskirchen handelt, beschränke ich mich auf die deutschen Reformatoren und hier wiederum auf die größten, Luther und Melanchthon. 2 ) cf. S. 167. 3 ) cf. Böhmer, Aus alten Handschriften von und über Luther, Neue kirchl. Zeitschrift XXIV (1913) S. 399f. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 6/26/15 2:54 AM 1 ) Stintzing, Gesch. d. deutsch. Rechtsw. I S. 265. 2 ) Sein Urteil, es sei "ein kindisch, albern, schlecht Ding" trifft nicht zu. 3 ) Stintzing, 1. e. S. 272f. 4 ) Opp. lat, Jenaer Ausg. II S. 334. 5 ) de Wette-Seidemann, Briefwechsel Luthers C, 54.
doi:10.7767/zrgka.1915.5.1.165 fatcat:qkfzh5c44fgstf6u6fxd4glmee