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Neue Beiträge zur Kenntnis einiger romanischer Wörter deutscher Herkunft

TH. BRAUNE
1898 Zeitschrift für Romanische Philologie  
mit p) Beute, spolia, Raub zurück. Aber schon Behaghel, Germ. XX, 273, und mit ihm Mackel legen dem romanischen Worte ein durch dieses an die Hand gegebenes fern, rouba zu Grunde. Diese femin. Bildung läfst sich nun, wie ich glaube, im Ahd. sogar noch nachweisen, und zwar in dem in der Lex Bajuv. 18, 3 erwähnten walu-raupa Beraubung der oder Raub an den auf der Walstatt liegenden Gefallenen, gewaltsame Beraubung bes. Erschlagener 2 , welches man schon nach der Bedeutung als Singular aufzufassen
more » ... ingular aufzufassen geneigt ist, obwohl es formell sowohl als st. Fern, als auch als Plur. von einem st. M. (s. bei Schade, Altd. Wb.) angesehen werden kann. Dieselbe Auffassung ist auch bei *do mäht du nu aodtthho -in sus heremo man -rauba birahenen* im Hildebrandsliede v. 53 sq. möglich, und Hahn, Ahd. Gramm., citiert auch wirklich auf Grund dieser Stelle ein st. Femin, rauba Beute, erbeutetes Kleid in seinem angefügten Glossar, und ebenso führt Schade darnach ein st.Fern, rauba ('oder rauba Pl.v.rauo') allerdings zweifelnd auf, wie er später unter ahd. roub, mhd. roup st. M. ein st. Fern, rouba mit einem Fragezeichen versehen giebt. Wenn nun aber das roman. roba ebenfalls gebieterisch ein femin, gerra. rauba (b aus bK) verlangt, so wird sich kaum dagegen etwas sagen 1 Hinsichtlich der Bed. 'Kleid' sei darauf hingewiesen, dafs sie schon im äs. gi-robi Kleidung, Gewänder (= ahd. gi-roubi Beraubung, geraubte Beute, vgl. serb. rbb, alban. robi und ropi Gefangener, Sklave) und im ags. reaf Kleid, Bekleidung, Decke zu belegen ist. Vgl. Grimm, D.Wb. VIII, 211, Kluge, Et. Wb. unter raub und ten Doornkaat Koolmann, Wb. d. Ostfries. Spr. unter rof, nach dem das Wort zuerst ein einem Tiere abgerissenes und abgestreiftes Fell bezeichnet haben wird, wie ja ein Tierfell das erste und ursprünglichste Kleid oder Gewand und die erste Decke aller rohen und ungebildeten Naturvölker war. Doch siehe auch Grimm, Wb.VIII, 211. 2 Vgl. auch an. valrauf valrof st. N. Plünderung der Erschlagenen auf dem Schlachtfelde, ags. välredf st. N. Schlachtbeute, mhd. waltroup (entstellt aus walrup) st. M. Brought to you by | University of Calif Authenticated Download Date | 6/9/15 4:20 PM TH. BRAUNE, lassen, wenn wir auch das rauba des Hildebrandsliedes und das walu-raupa der Lex Bajuv. als Singular und Femininum auffassen. 1 Für robe und rober findet sich auf französischem Gebiet im Nordosten nicht selten reube und reuber> die nach Mackel S. 27 auf roba rgbon für älteres raubha raubhon zurückgehen mögen, obwohl man reuve, reuver erwarten sollte. Es erscheint nicht unangebracht, für die genannten Formen auf das äs. r6bi in gi-rdbi und äs. rdbhon in bt-r6bhdn zu verweisen. Zu den roman. Substantiven treten Verben, wie sp. robar, pg. roubar, pr. raubar, afr. rober sowie asp. robir und it rubare. Von diesen gehen die ersteren augenscheinlich auf ahd. raubon roubdn (raupön roupön) rauben, plündern, got. bi-raubdn zurück, das asp. robir aber (vgl. auch wal. robi einen zum Gefangenen machen) verlangt augenscheinlich wegen seiner Endung ein *raub(h)jan, und für dessen Existenz sprechen das an. reyfa (ey = Umlaut des au, daneben rauf a aufbrechen, aufreifsen, öffnen, auch plündern) und schwed. röfva rauben (neben r off a rauben, plündern), dän. röve, afries. rdvja (neben rava), mhd. reuben (s. Grimm, Wb. VIII, 2, 218, = *röubenl eu = ou = Umlaut des au, neben rouberi), ags. reafjan (neben st. ags. reofan = an. rjufa zerreifsen, auseinander reifsen), zu dem als Praeteritum allerdings nur reafode gilt, und engl. reave in be-reave. Auch das it. rubare (vgl. auch it. ruba Raub neben roba Rock, Kleid) will lautlich nicht zu raubon stimmen, welches wohl robare ergeben hätte. Diez entschuldigt zwar das u dieser Bildung wie in buttare, iuffare, arrufare und bugiare mit dem aus lat audire entstandenen udire und meint, Tonlosigkeit habe die Kürzung veranlafst. Wenn aber, wie ich Ztschr. XIX, 352 nachzuweisen versucht habe, buiiare auf ein altes *button oder buttan (= ostfries. butten) und nicht auf *bautan = an. bauta, ahd. bozen zurückgeht, 2 und wenn sich das it. zuffa zu zupfen (Diez 5 4I2, Mackel 25), ruffa zu rupfen (ib.), cuffia zu kupphja, stucco zu ahd. stucchi, äs. stukki, und sturione zu ahd. sturjo (Mackel 25) stellen, so erscheint die Erklärung eines it. u aus deutschem au auch in den übrigen oben angeführten Wörtern zweifelhaft, und es wird verlohnen, genauer nach ihrem Ursprung zu forschen. Das got. bi-raubön ist aufs nächste mit den st.Vb. ags. reofan (= germ. *riuöhan) brechen, zerreifsen, zerstören (bi-reofan berauben) und an. rjufa zerreifsen, auseinanderreifsen, verwandt, welche die Ablautreihe iu : au: u : u zeigen. Wie nun bi-raubdn den Diphthong au des sg. Praet. des st Vb. zeigt, so werden wir auch Bil-1 Für unsere Untersuchung ist es ganz gleichgültig, ob das ahd. masc. raub erst aus älterem fern, rauba (vgl. Behaghel, Germ. XX, 273 und Mackel S. 120) entstanden ist oder nicht. 2 Ich ergreife hier gern die Gelegenheit zu bemerken, dafs bereits Schuchardt, was mir bei der Abfassung meines Artikels entgangen und erst nachträglich zu meiner Kenntnis gekommen ist, in dieser Ztschr. XV, 97-104 ausführlicher über botiare und andre verwandte Bildungen gehandelt hat.
doi:10.1515/zrph.1898.22.2.197 fatcat:z6lifdoo3jhnbhdocgtog6noja