Filters








1 Hit in 0.036 sec

Festschriften

J. Schwalbe
1921 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Feuilleton. Pessc1irif len. Die Festschriften bilden seit langem cinc peinliche Belastung unserer Literatur. Früher erschienen sie mei5t als besondere Veranstaltungen im Buchhandel und führten deshalb ein kümmerliches Dasein. Nachdem vor einigen Jahren die Vereinigung der medizinischen Fachpresse den Wunsch ausgesprochen hatte, daß die Festschriften nur noch im Rahmen von Zeitschriften ausgegeben werden sollten, ist wohl allgemein dieses Verfahren angenommen worden. Was aber früher eine
more » ... früher eine Besserung bedeuten konnte, ist unter den heutigen Verhältnissen zu einer Verschlimmerung geworden. IKürzlick ist als Band eines Archivs eine Festschrift erschienen, deren Preis sich auf nicht weniger als 450 M beläuft. Will also ein Leser nicht die Bändereihe dieser Zeitschrift unterbrechen, so muß er sich zu einer so beträchtlichen Ausgabe entschließen. Um so mehr ist die Frage berechtigt: Cui bono? Der V e ranstalt e r einer Festschrift, der den löblichen Wunsch hat, seinem Lehrer oder Freunde zu seinem Jubiläum t) eine Freude und Ehrung zu bereiten, übernimmt die wohl stets mühevolle Aufgabe, die in Betracht kommenden Autoren anzuspannen und ihre Arbeiten mit den -oft ach so großen! -Beschwerden eines Herausgebers rechtzeitig und zweckentsprechend zu dein Festband zu vereinigen. Die Autoren sind -Hand aufs Herz! -in den seltensten Fällen von ihrer Aufgabe begeistert. Die meisten sind mit anderen Verpflichtungen belastet, vielen liegt" die Einhaltung eines bestimmten Ablieferungstermins überhaupt nicht, manchen fehlt geeignetes Material! Und an die letztgenannte Tatsache knüpft die Feststellung an, daß die meisten oder doch viele Abhandlungen für die Literatur entbehrlich sind. Sie werden sehr oft nur ad majorem gloriam Jubilarii geschrieben und hätten ohne diesen Zweck nie das Licht der Welt erblickt. Mit Mühe wird von manchen ein einigermaßen geeignetes Thema gefunden, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe zuliebe, der Stoff abgehandelt. Unzählige Seufzer der Erleichterung steigen zum Himmel enipor, wenn die Festschrift endlich zum Stapellauf fertig ist. In die Reihe der Glücklichen, die sie ausstoßen dürfen, gehört der Ve r leger nicht, der besorgt sein muß, ob er die Kosten, die für den Festband aufgewandt worden sind, wieder ') Es werden ja seit einiger Zeit nicht nur dis (70., 60., 50.) Lebensalter, sondern auch die Jubilaen der Mittel, Operationen usw. gefeiert. Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1141007 fatcat:hablmchpjfdwjjol4wayldoore