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Die Wellenbewegung elastischer Röhren und der Arterienpuls des Menschen sphygmographisch untersucht von Dr. II. Grashey, Director der Irrenanstalt zu Deggendorf. Leipzig, bei F. C. W. Vogel

H. Grashey
1882 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
In genanntem Werke unternimmt es der Verfasser, gestützt auf durchaus neue , umfangreiche Untersuchungen , die ebensowolil von dem ausserordentlichen Fleiss, wie der uithefangenen Kritik desselben Zeugniss geben, die Frage zu lösen, durch welche Ursachen der menschliche Puls in den durch die Sphygmographie bekannt gewordenen Formen bedmgt werde. Zunächst prüft G. die Leistungen des M arey'schen Sphygmograplien an elastischen mit Wasser gefüllten Schläuchen, in welchen Fliissigkeitswellen
more » ... gkeitswellen erzeugt werden. Es kommt sehr viel auf die Methode an, dergleichen Wellen zu erzeugen, weil beispie'sweise eine Art (Beseitigung eines den Schlauch comprimirenden Druckes, wodurch dem Wasser freier Abfluss gestattet wird) zu Fehlerquellen führt. Durch die genannte Methode wird nicht bios eine sogenannte positive Welle, welche mit Druckerhöhung einhergeht, sondern kurz vor ihr (indem der Binnenraum des Schlauches durch Entfernung der compriinirendeu Vorrichtung vergrössert wird) eine negative Welle erzeugt, die sich durch eine Herabsetzung des Druckes documentirt. Sitzt solch' eine kleine negative Welle auf dem aufsteigenden Schenkel einer grösseren positiven auf, so gleicht eine derartige Curve einer anacroten Pulscurve. Die künstlich von Landois erzeugten katacroten Wellen in Gummischläuchen entstanden auf genannte Weise. -Positive und negative Wellen pflanzen sich mit einer bestimmten, von mannigfachen Factoren abhängigen Geschwindigkeit über den Schlauch fort. Gelangen sie an das offene Ende des Schlauches, so kehren sie als ungicichnamige Wellen von hier nach dem Centrum zurück. Ist also beispielsweise eine positive Welle an dem Ende des Schlauelies angekommen, so fliesst Wasser aus dem Schlauche heraus; an der Abflussstelle sinkt der Druck plötzlich und eine negative Reflexwelle läuft von dieser Stelle aus centripetal zurück. Ist der Schlauch geschlossen, so kehren die Wellen als gleichnamige Reflexwellen zurück. Ist die elastische Röhre an ihrem Ende nicht vollständig offen, so bilden sich eine positive und eine negative Reflexwelle. Geht dieselbe schliesslich in eine weitere oder dehnbahrere Röhre über, so wird eine ungleichsinnige, geht sie in eine engere Röhre über, so wird eine gleichsinnige lleflexwelle erzeugt. Die Wellen, so verschieden sie sein mögen, interferiren nun mit einander, wenn beide zu demselben Moment an derselben Schlauchstelle anlangen , schwächen sich also ab oder verstärken sich je nach ihrer Art. Coniplicirte, aber aus den obigen Experimenten sich ergebende Verhältnisse walten ob, wenn ein elastischer Schlauch sich mehrfach theilt. Alle Wellen verlieren nach einem gewissen Verlaufe ihre lebendige Kraft. Lässt man den aus einem Reservoir heraustretenden Schlauch nicht frei, beziehungsweise in Zweige gespalten enden, sondern in ein zweites (gewöhnlich kleineres Reservoir) übertreten, so wie es Mons gethan hat, dann ändern sich die Verhältnisse. Es werden zwar Bewegungen der Flüssigkeit beobachtet, zum Theil ähnlich denen, die bereits Moäns beschrieben, aber in durchaus anderer Weise erklärt. Namentlich macht G. auf die Existenz negativer Wellen und Reflexwehlen anfmerksam, die sowohl Landois als Moëns, der Erstere als Eigenschwiugungen der Gefasswand, der Letztere als sogenannte Schhiessungswellen aufgefasst hat. Unter Schhiessungswellen verstand M. Wellen, welche bei obiger Anordflung entstanden, sobald der continuirlich fliessende Wasserstrom durch Schliessung eines in unmittelbarer Nähe vom Hauptreservoir befindlichen Hahnes unterbrochen wurde. Hierbei sollte die in Bewegung befindliche Flüssigkeit vermöge der ihr innewohnenden Geschwindigkeit sieh allerdings weiter fortbewegen, aber da sie von hinten keinen Zufluss bekommt, in der Nähe des Hahnes einen negativen Druck erzeugen, sich wieder rückwärts bewegen, und an das centrale Ende anpraflend, zu einer positiven Schliessungswelle Veranlassung geben. G. weist durch ungemein sinnreiche messende Versuche nach, dass alle diese Annahmen irrig sind, indem er Sphygmographen an verschiedenen Stellen des Schlauches anbringt und von den Spitzen der zeichnenden Fählliebel in kleinen Zwischenräumen (/()() Secunden) Funken eines Ruhmkorffschen Apparates durch das Papier der Apparate durchschlagen lässt. Die so erhaltenen Curven kann man nun auf das Genaueste zeitlich miteinander vergleichen. Man weiss also beispielsweise, dass der Punkt der Curve a, wo der zehinte Funke durchgeschlagen hat, genau zeitlich zusammenfällt mit dein Punkte der Curve b, wo ebenfalls der zehnte Funke seine Marke in die Curve gemacht hat. Au diesen rein physikalischen Theil der Arbeit schliesst sich der physiologische. Jede Systole, so lautet der erste Satz von G., sendet durch das Arteriensystem eine positive, centrifugale Welle, die bekannte Puiswelle. Die Strömung aus deni Herzen (Herzaortenstrom) dauert aber nur kurze Zeit und, indem sie unterbrochen wird, muss sich auf Grund obiger Versuche eine negative Welle in centrifugaler Richtung fortpflanzen, die G. die erste diastolische Thalwelle nennt. So Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1196543 fatcat:og426ukqdzai7fcwkk32cltgm4