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Vorwort [chapter]

1862 Das Gefühlsleben  
Vorwort. Wenn sich vorliegendes Werk die Aufgabe gestellt hat, in die stille, gehcimnissvollc Welt der Gefühle näher einzuführen : hat es damit nicht die Mission des Rufenden in der Wüste übernommen? Keine Zeit war vielleicht weniger angethan zur ruhigen Einkehr in's Innere, als eben die gegenwärtige. Wol pulsirt in ihr ein regeres Leben; aber kein solches, das den Blick nach Innen lenkt, sondern ihn vielmehr nach Aussen zieht. -Schienenwege und Wasserstrassen breiten vor dem bezauberten Auge
more » ... bezauberten Auge die Schätze aller Zonen aus; das Gerassel der Maschinen; der Lärm des Marktes; die Parteikämpfe auf der Tribüne und in den Zeitblättern, sie rauschen ununterbrochen an unser Ohr, und der "Geist" der jetzt "am sausenden Webstuhle der Zeit" sitzt, ist der Spekulation im wissenschaftlichen Sinne keineswegs günstig. -Wie soll auch das gegenwärtige Geschlecht, unter vielen Zerstreuungen, anlockenden Genüssen und bei dein immer lauteren Toben socialer Stürme, Zeit und Ruhe finden, zur Sammlung und Einkehr?! Aber gerade eine solche Zeit bedarf ihrer auch am meisten, und wol manches tiefere Gemüth hat sich nie mehr nach ihr gesehnt, als eben jetzt; -es wird uns gerne folgen in die stille Siedelei, um zu vergessen, was es drückt und verstimmt, wie auch wir auf diesem neutralen Boden Vergessenheit und damit Ruhe und Erhebung über das, was das äussere Leben Unerquickliches gebracht, gesucht und gefunden haben. Dies war eines der Motive gerade die Lehre vom Gefühl -dieser innersten Heimat der Seele --zu behandeln; ein weiteres, dass bisher, nur wenige Ausnahmen abgerechnet, eben das Gefühl das Stiefkind der Psychologen war, dem sie nur so nebenher ihre Pflege angedeihen Hessen. Und doch
doi:10.1515/9783112352168-001 fatcat:u7nrhtswvzazzistu7tjl7dday