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Am Anfang war das Wirkmodell. Überlegungen und Ansätze zur Analyse von Wirkungen Sozialer Arbeit

Sebastian Ottmann, Joachim König
2019 Blätter der Wohlfahrtspflege  
Evaluation der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Im Rahmen dieser Tätigkeit führt er Wirkungsanalysen und Evaluationsstudien im Bereich der Sozialen Arbeit durch und beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem Themen Wirkungsorientierung und Wirkungsanalyse in der Sozialen Arbeit. PROF. DR. JOACHIM KÖNIG ist Professor für Allgemeine Pädagogik und Empirische Sozialforschung sowie Vizepräsident für Forschung und Entwicklung an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Er leitet dort das Institut
more » ... dort das Institut für Praxisforschung und Evaluation. https://www.evhn.de/evaluation Bei der Diskussion über Wirkungen und Wirksamkeit von Angeboten der Sozialen Arbeit entsteht schnell und vehement die Frage im Vordergrund, ob -und wenn ja, wie -die Messung von Wirkungen des Sozialen überhaupt bewerkstelligt werden kann. Dabei wird oft übersehen, dass die fachliche Auseinandersetzung mit der Wirkung der eigenen Arbeit schon einen Schritt vorher beginnen muss. Grundlage der Wirkungsanalyse müssen Wirkmodelle sein, die die gewünschten Wirkungen und vor allem die Aktivitäten, die zu diesen führen, differenziert beschreiben. In diese Modelle kann auch der Kontext, in den Angebote eingebettet sind, gut mit einbezogen werden, denn auch er spielt bei Wirkungsanalysen eine wichtige Rolle, die in der Praxis oft vernachlässigt wird. Bevor man sich differenziert mit den Fragen nach Wirkung und Wirksamkeit auseinandersetzt, erscheint es zwingend, den Begriff der Wirkung erst einmal näher zu betrachten. Laut Duden wird Wirkung als eine »durch eine verursachende Kraft bewirkte Veränderung« beschrieben. Durch den Bezug auf die verursachende Kraft wird hier eindeutig der kausale Mechanismus definiert. Wird von Wirkung im eigentlichen Sinne gesprochen, muss daher klar sein, dass mit dem Begriff notwendigerweise auch eine Kausalität verbunden ist. Diese Einsicht hat Konsequenzen für alle Aussagen, die im Rahmen von Wirkungsanalysen generiert werden. Hier zeigt sich, dass oft schon von gefundenen Wirkungen gesprochen wird, auch wenn keine kausale Rückführung auf die Maßnahme erfolgt ist. Aus diesem Grund ist ein seriöser und empirisch fundierter Umgang mit dem Begriff Wirkung wichtig, nicht zuletzt auch, um die Akzeptanz und Glaubwürdigkeit von Wirkungsanalysen im Feld der Sozialen Arbeit zu erhöhen, zumindest aber, um sie nicht zu gefährden. Wirkungsradar Am Institut für Praxisforschung und Evaluation der Evangelischen Hochschule Nürnberg wurde daher eine ›empirische Tool-box‹ -der sogenannte Wirkungsradarentwickelt, die ein stufenweises Vorgehen bei der Wirkungsanalyse vorschlägt (siehe Abb. 1) und auf diese Weise auch einen differenzierten Umgang mit dem Begriff der Wirkung ermöglicht. Im Rahmen dieser Toolbox erfolgt der eigentliche, letztlich kausale Wirkungsnachweis erst im vierten Schritt. Zuvor werden über Veränderungsmessungen Effekte von Maßnahmen bzw. Angeboten identifiziert. Da auf dieser Stufe noch kein kausaler Zusammenhang zwischen Maßnahme und Effekt nachgewiesen wird, werden die Ergebnisse, in Anlehnung an Balzer (2012), als Wirkungsplausibilisierung kommuniziert. Dabei wird im Rahmen der Ergebnisinterpretation fachlich begründet diskutiert und argumentiert, welchen Anteil die Maßnahme an den gefundenen Veränderungen haben könnte, aber auch, wie groß die Einflüsse anderer Faktoren auf die gefundenen Veränderungen sein könnten. Der stufenweise Aufbau des Wirkungsradars und vor allem auch seine strikte Orientierung an den fachlichen und praktischen Gegebenheiten vor Ort implizieren aber auch, dass Einrichtungen und Träger, die sich der Wirkungsorientierung verschrieben haben, noch einen weiteren Schritt vorher beginnen müssen, nämlich mit der Entwicklung von Wirkmodellen. Die eigentliche
doi:10.5771/0340-8574-2019-2-67 fatcat:otowwm3fhbhvjm4sdlgrsrrmnq