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Carl Plantinga: Moving Viewers. American Film and the Spectator's Experience

Julian Hanich
2009
USD 24,95 Ob Emotionen, Empfindungen oder Stimmungen -wer würde bestreiten, dass affektive Erfahrungen einen großen Teil unseres Vergnügens am Kino ausmachen? Bizarrerweise lag dieses Feld in der Filmwissenschaft jahrzehntelang brach. Erst in den neunziger Jahren setzten kognitionswissenschaftlich interessierte Filmtheoretiker wie Noël Carroll, Torben Grodal, Murray Smith oder Ed Tan die Emotionen wieder auf die Agenda. Von Anfang an dabei: Carl Plantinga. Mit einer Reihe lesenswerter Essays
more » ... enswerter Essays über Empathie, Vergnügen oder Ekel tat er sich als überzeugter Filmkognitivist hervor. Die Aufsatzsammlung Passionate Views, 1999 gemeinsam mit Greg M. Smith herausgegeben, gilt weiter als wichtiger Referenzpunkt. Doch: So bahnbrechend die Vorschläge von Plantinga und Co. waren -Kritik an ihrem Projekt konnte angesichts markanter Verkürzungen nicht ausbleiben. Auch wenn Plantinga diese Vorwürfe nicht ausdrücklich zur Sprache bringt, liest man an vielen Stellen seines neuen Buches Moving Viewers. American Film and the Spectator's Experience doch heraus: Er hat sich die Kritik zu Herzen genommen. Das lässt sich bereits am Namen erkennen, den er seinem Ansatz gibt: Plantinga spricht von einer "cognitive-perceptual theory" (S.54-59) und bezeichnet sich selbst als moderaten, nicht-orthodoxen Kognitivisten. Durch diesen Schritt gelingt es ihm, eine einseitige Beschränkung auf komplexere Emotionsformen zu umgehen und auch automatisch ablaufende, nicht-bewusste Vorgänge zu berücksichtigen. Mit der Trennung der nicht-kognitiven Affekte (wie Stimmungen oder Reflexe) von den kognitiven Emotionen (wie Angst oder Mitleid) folgt er zwar Noël Carroll -anders als dieser gibt er den Affekten aber einen wichtigen Raum in seinem Theoriegebäude. Damit ist die selbstkritische Revision aber nicht am Ende: An Torben Grodals Theorie bemängelt er, dass die Emotionen übermäßig stark von der Verwicklung mit den Filmfiguren abhingen. An Ed Tans Entwurf kritisiert er die unverhältnismäßige Betonung des 'Interesses', das als Kategorie zu breit und formlos sei (sofern man Interesse überhaupt als eine Emotion gelten lässt). An Greg M. Smiths 'mood-cue approach' weist er die ungenaue Verwendung des Stimmungsbegriffes zurück (vgl. Film Structure and the Emotion System [Cambridge 2003], S. 41-64).
doi:10.17192/ep2009.3.579 fatcat:g7pypxuyhbelfinweugmt46v3y